Vorbeugung

Mit dem zunehmenden Gefühl körperlicher Schwäche erwachte in Kafka der Purismus, ein Streben nach Lebenshygiene und Glaube an die Heilkräfte der Natur; einerseits sittlicher Rigorismus, anderseits Schutz des Körpers vor Schadstoffen. Irgendwann vor 1910 wurde Kafka Vegetarianer.
Zum totalen Wandel des Lebensstils trug sein Besuch beim Warnsdorfer Fabrikanten Moriz Schnitzer bei, einem Verfechter der Naturheilkunde, den Kafka 1911 auf einer Dienstreise durch den ihm anvertrauten Bezirk aufsuchte. Schnitzer warf ihm eine ungesunde Lebensweise vor und entdeckte in seinem Körper, in Rückenmark und Gehirn, angehäufte Giftstoffe. Er empfahl ihm, bei geöffnetem Fenster zu schlafen, was Kafka sommers wie winters einhielt, Aufenthalt an der Sonne, Gartenarbeit und – die Mitgliedschaft im Naturheilbund sowie ein Abonnement von dessen Vereinszeitschrift. Zugleich warnte er ihn vor den Arzneien der Schulmedizin. Kafka hielt sich immer mehr an diese Ratschläge. Seine Auslandsreisen verlängerte er in der Regel durch Aufenthalte in den Naturheil-Sanatorien: Erlenbach (1911), Jungborn (1912) und Riva (1913). Im Jahr 1913 arbeitete er im Garten des Pomologischen Instituts in Prag-Troja und in einer Gärtnerei in Prag-Nusle. Die körperliche Arbeit gab er nicht einmal 1917 nach Ausbruch der Krankheit auf (Gärtner- und Tischlerarbeiten in Troja und Turnau).